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veröffentlicht am 01.03.2018

Dokumentarfilm von Werner Boote und Kathrin Hartmann auf Österreich-Tour

Kinostart von „The Green Lie“

Ob umweltschonende Elektroautos oder nachhaltig produzierte Lebensmittel: Nicht alles, was als umweltfreundlich beworben wird, ist es auch. Das zeigt jetzt der österreichische Regisseur Werner Boote gemeinsam mit Kathrin Hartmann, Expertin für Greenwashing, im neuen Dokumentarfilm „The Green Lie“. Ab dem 9. März läuft der Film offiziell in den heimischen Kinos – Für alle, die es bis dahin nicht erwarten können, haben wir gute Nachrichten, denn der Film geht davor auf Österreich-Tour.

Im Kino Schubert in Graz am 6. März und im Kino Starmovie in Steyr am 7. März ist auch eine Pdiumsdiskussion geplant. Teilnehmen werden hier Werner Boote, Kathrin Hartmann sowie ist auch Greenpeace-KonsumentInnensprecherin Nunu Kaller.

Die Redaktion von unserem Greenpeace-Magazin „Act“, hat vorab mit Werner Boote und Kathrin Hartmann über den Film gesprochen.

Wann kommt das Phänomen Greenwashing erstmals auf, geschichtlich gesehen?

Boote: Dass Konzerne versuchen, ihr dreckiges Kerngeschäft „grünzuwaschen“, indem sie viel über Nachhaltigkeit sprechen und Mini-Ökoprojekte machen – das ist als Reaktion auf die Umweltbewegung zu sehen und in den Siebzigern entstanden. Hartmann: Das erste Unternehmen, das das Ganze in großem Maßstab und professionell aufgezogen hat, war der Ölkonzern BP. Sie haben etwa ihren Namen von „British Petroleum“ auf „Beyond Petroleum“ geändert, ihr Logo verhübscht und klitzekleine Investitionen in erneuerbare Energie gemacht. Das hat aber nichts an der Ausrichtung des Konzerns geändert. Damit sind sie allerdings zum Vorbild für alle anderen geworden, die ihr Image in Sachen Umwelt verbessern wollten. Unternehmen haben aber schon immer gerne ihre problematischen Seiten kleingeredet, verschwiegen oder vertuscht.

Was ist jetzt neu?

Hartmann: Neu an unserem Ansatz ist vielleicht, dass wir uns nicht nur auf einzelne „schwarze Schafe“ konzentrieren, sondern zeigen wollen: Da steht ein System dahinter.

Boote: Und dieses System ist ein Widerspruch in sich. Denn es kann nicht sein, dass ich auf der einen Seite Chefs habe, die vertraglich dazu verpflichtet sind, Gewinn zu machen – und auf der anderen Seite Nachhaltigkeitsabteilungen, die sich plötzlich um Umwelt und Menschen kümmern sollen. Das passt nicht zusammen! Entweder – oder.

Die Geografielehrerin hat damals zu meiner Schulklasse immer gesagt: Mit jedem Einkauf entscheidet ihr, in was für einer Welt ihr leben wollt. Das hat bei uns großen Eindruck gemacht.

Boote: Da stimme ich nicht ganz zu. Natürlich ist es wichtig und richtig, darauf zu schauen, welche Produkte man kauft und was da drin ist. Aber es ist auch eine Taktik der Konzerne, die Verantwortung abzuschieben. Wenn eh die Konsumenten und Konsumentinnen entscheiden, dann müssen sie ja nichts machen.

Hartmann: Das Greenwashing ist für uns Menschen in reichen Ländern gemacht, um uns zu beruhigen: Ja, ja, es passt eh alles mit den Produkten, die wir kaufen. Einkaufen gehen ist kein Widerstand. Und es ist nicht sichtbar! Zehn Leute, die gemeinsam auf der Straße protestieren, sind sichtbarer als zehn Leute, die im Supermarkt verteilt vor den Regalen stehen und rätseln, welches Produkt sie nun nehmen sollen. Auf den verschiedenen Schauplätzen des Films kommen insbesondere auch indigene Völker zu Wort, deren Lebensraum in Gefahr ist.

Können Sie kurz erklären, warum Greenwashing besonders für diese Menschen eine Bedrohung ist?

Hartmann: Das liegt daran, dass viele Produkte, für die Greenwashing betrieben wird, Land brauchen: Erdöl, Palmöl, mineralische Rohstoffe, Baumwolle. Weil unser Lebensstil unverhältnismäßig ist, braucht er auch unverhältnismäßig viel Land. Und zwar nicht „bei uns“, sondern im globalen Süden: In Südamerika und Indonesien zum Beispiel. Und dann muss man eben auf Land zugreifen, das einem nicht gehört. Besonders Indigene und Kleinbauern sind ja unmittelbar von dem Land abhängig, das sie umgibt. Wir ja eigentlich auch! Wird aber vergessen.

Die mitunter wirklich witzige Dynamik zwischen Ihnen beiden trägt durch den ganzen Film und macht die Themen sehr zugänglich. Kalkül oder Spontaneität?

Boote und Hartmann (gleichzeitig): Wir schaukeln uns gegenseitig hoch! (lachen)

Boote: Nun, es war so: Ich wollte ausprobieren, ob man im Dokumentarfilm mit jemandem Zweiten unmittelbar Gedanken austauschen und damit das Thema für das Publikum erlebbarer machen kann. Als Kathrin Hartmann und ich uns in einer Talkshow gegenübersaßen, war ich in vielen Belangen von ihr beeindruckt. 2011 war das.

Hartmann: Es war uns damals beiden sofort klar, dass wir die Probleme sehr ähnlich einschätzen, aber ob wir dieselben Lösungsansätze haben, das wussten wir nicht.

Boote: Mein Wunsch war ja, dass wir im Laufe der Recherche und des Films auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Es stellte sich heraus, dass wir ein gutes Team sind, das sich wunderbar ergänzt. Ich stelle mich absichtlich ein wenig begriffsstutzig und gutmütig, und Kathrin feuert dann die Argumente heraus.

Hartmann: Es hat schon ein wenig Spaß gemacht, in dieser Konstellation Verantwortliche vor die Kamera zu ziehen und ins Schwitzen zu bringen. Diese Befragungstaktik von Werner Boote versuche ich mir auch abzuschauen, das Ganze führt manchmal zu sehr überraschenden Antworten und peinlichen, enttarnenden Aussagen.

Gibt es etwas, worauf Sie nicht verzichten könnten?

Boote: Ich bin irgendwann draufgekommen, dass Manner-Schnitten Palmöl enthalten. Jetzt ist mir irgendwie die Lust darauf vergangen, und ich hab schon ewig keine Manner-Schnitten gegessen.

Hartmann: Ich würde da gar nicht von Verzicht sprechen. Etwas, was gestohlen ist – darauf kann man gar nicht „verzichten“.

Boote: Es geht ja bei dem Film auch nicht darum, dass man nachher aus dem Kino herausgeht und sich überlegt, was man jetzt alles bleiben lassen muss. Vielmehr wünsche ich mir, dass die Menschen das ganze Wirtschaftssystem hinterfragen und merken, dass es auf der ganzen Welt Leute gibt, die dagegen ankämpfen. Es gibt Alternativen!

Hartmann: Genau! Die grüne Lüge ist nämlich, dass es so weitergehen kann wie bisher.

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