veröffentlicht am 23.11.2021

Fast Fashion

So stark befeuert die Modeindustrie den Wegwerf-Konsum

Die Modeindustrie nutzt zwar inzwischen weniger giftige Chemikalien bei der Textilherstellung, produziert jedoch Kollektionen am laufenden Band: Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Greenpeace-Report kurz vor dem Black Friday. Die 29 untersuchten Modekonzerne, darunter einige der weltgrößten Unternehmen, verzichten zu rund 90 Prozent auf giftige Chemikalien wie Weichmacher und Flammschutzmittel. Der Trend zu Wegwerfmode ist hingegen ungebrochen: Rund zwei Drittel der Konzerne, die wir uns angesehen haben, produziert weiterhin ununterbrochen Billigmode mit unzählichen verschiedenen Kollektionen pro Jahr.

Über 72 Millionen Kleidungsstücke liegen ungetragen in Österreichs Kleiderschränken (© Mitja Kobal / Greenpeace)

Besonders kurz vor dem Black Friday locken die Konzerne mit absurden Rabatten und massiven Werbekampagnen zu Impulskäufen. Getragen wird die Kleidung danach oft nur selten oder sogar gar nicht. Im Schnitt kaufen KonsumentInnen heute um 60 Prozent mehr Kleidung ein, getragen wird sie jedoch nur halb so lang wie noch vor 15 Jahren – sei es weil Hose oder Pullover nicht gefällt oder die Kleidung schnell kaputt geht. Trotz großer Versprechen der 29 Modemarken, setzen weiterhin 20 von ihnen auf Wegwerfmode. Zu diesen Konzernen zählen unter anderem Primark, Mango und C&A.

Jede Sekunde wird eine ganze LKW-Ladung Kleidung verbrannt oder auf die Deponie geworfen, um Platz für neue Ware zu schaffen

Rund 200 Milliarden Stück Kleidung wurden im Jahr 2020 hergestellt – also rund doppelt so viel wie im Jahr 2014. Verkauft wurden 2020 hingegen “nur” 160 Milliarden Stück. Aufgrund der COVID-Pandemie sind die Händler nämlich auf einem Haufen von Billigkleidung sitzengeblieben. Sekündlich wird weltweit eine LKW-Ladung Kleidung entweder verbrannt oder deponiert. Angebote zum Reparieren, Upcyceln oder Weiterverkaufen muss man bei den untersuchten Unternehmen mit der Lupe suchen. Nur zwei der untersuchten Marken – Benetton und Espritsetzen erste Schritte und produzieren bewusst weniger Kollektionen in höherer Qualität.

Chemikalien zur Textilherstellung verschmutzen Gewässer und bedrohen die dort lebenden Tierarten (© Andri Tambunan / Greenpeace)

Greenpeace-Kampagne gegen Chemikalien in Bekleidung trägt Früchte

Im Bereich Chemikalien konnte die Detox-Kampagne von Greenpeace klare Erfolge erzielen: Die Produktionsketten der 29 Unternehmen wie Nike und H&M, die ein Detox-Bekenntnis abgegeben haben, sind fast gänzlich frei von den als besonders gefährlich eingestuften Chemikalien. Darunter fallen Flammschutzhemmer, Azofarben, per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) und Phthalate. Diese gelten unter anderem als krebsfördernd, fortpflanzungsschädigend und hormonell wirksam. Jedoch legen nur 16 der 29 bewerteten Unternehmen ihre Lieferketten offen und veröffentlichen die genauen Abwasserdaten ihrer Zulieferer. Jetzt gilt es, dass auch die restlichen Unternehmen die schädlichen Chemikalien aus ihrer Produktion entfernen. Das betrifft 85 Prozent der Modekonzerne. Aus unserer Sicht braucht es jetzt starke Gesetze, die den gesamten Textilmarkt entgiften.


Die Fast-Fashion-Industrie muss sich ändern

Dass die Modeindustrie sich von der Fast-Fashion abwendet, ist derzeit nicht absehbar: Wurde noch im Jahr 2015 Kleidung mit einem insgesamten Warenwert von 1.800 Milliarden US-Dollar verkauft, so geht man davon aus, dass die Summe 2025 bereits bei 2.100 Milliarden US-Dollar liegen wird. In der EU ist der Konsum von Kleidung und Schuhen, jener Bereich, der die vierthöchste Umweltbelastung verursacht - gleich nach Nahrungsmitteln, Wohnen (inkl. Wärme und Strom) und Transport. Da die Konzerne das umweltschädliche Geschäftsmodell ungebremst fortsetzen, fordern wir von der Bundesregierung ein Vernichtungsverbot für unverkaufte, neuwertige Waren.




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